Mit ihren rund 80 qualifizierten Referent*innen stellt die Fachstelle für Prävention Niederösterreich eine zentrale Institution für Suchtprävention, Sexualpädagogik und seit diesem Jahr auch für Gewaltprävention in Niederösterreich dar.
Wie sieht diese Arbeit für Referent*innen konkret aus?
Im Wesentlichen sind die Referent*innen jene Fachkräfte, die an Institutionen oder Firmen, welche ein Angebot der Fachstelle in Anspruch nehmen, die gebuchten Projekte realisieren bzw. umsetzen. Dies erfolgt für verschiedene Zielgruppen wie Schulen, Gemeinden oder Betriebe ganz konkret durch Vorträge, Workshops oder Fortbildungen.
Wendet sich eine Institution oder ein Betrieb an die Fachstelle für Prävention Niederösterreich, um ein Projekt zu buchen, so wird dieses für jene Referent*innen ausgeschrieben, die inhaltlich dafür zuständig sind. Sie können sich dann je nach ihren zeitlichen Ressourcen bzw. nach der Distanz zum jeweiligen Veranstaltungsort dafür bewerben und werden von der Fachstelle für Prävention Niederösterreich dafür beauftragt. Sind an einem Projekt, das beispielsweise von einer Schule gebucht wird, mehrere Referent*innen beteiligt, so übernimmt eine/einer von ihnen die Hauptverantwortung, was so viel bedeutet wie, dass sie/er persönlich Kontakt mit der Institution aufnimmt, die Rahmenbedingungen (Startzeit, Gegebenheiten vor Ort, technische Infrastruktur o.ä.) abklärt und diese Informationen dann an die anderen beteiligten Kolleg*innen weitergibt.
Die Vorbereitung auf die Durchführung des Projekts, konkret auf einen Vortrag, auf einen Workshop oder eine Fortbildung, erfolgt mit den von der Fachstelle erstellten Materialien wie beispielsweise Präsentationen oder Foldern. Auch der Ablauf und die Inhalte des Projekts sind bereits festgelegt, sie wurden meist in Kooperation mit Referent*innen entwickelt. Dies bietet nicht nur für die Referent*innen den Vorteil, auf fertige Arbeitsmaterialien zurückgreifen zu können, sondern ist auch die Basis für die von der Fachstelle für Prävention Niederösterreich erforderlichen Maßstäbe der Qualitätssicherung.
Workshops für Kinder und Jugendliche werden stets im Team-Teaching abgehalten, was bedeutet, dass eine Gruppe von zwei Referent*innen betreut wird. Dies bietet den Vorteil, dass in den Gruppen effizient gearbeitet werden kann, und stellt außerdem eine qualitätssichernde Maßnahme in der Referent*innen-Tätigkeit dar. Nach der Durchführung ist von den Referent*innen die Dokumentation über den Ablauf und etwaige Besonderheiten des Projekts und die Honorarnote für die Fachstelle zu erstellen. Beides funktioniert relativ einfach über ein Online-Tool.
Seit der COVID-19-Pandemie werden einige Projekte, vor allem Vorträge, aber auch vereinzelt Fortbildungen, online angeboten, was sich für manche Zielgruppen wie zum Beispiel Eltern als gute Alternative herausgestellt hat.
Warum bin ich Referentin geworden?
Ich habe sehr viele Jahre den Beruf als Pädagogin an einer berufsbildenden höheren Schule ausgeübt und mich seit Beginn meiner Tätigkeit in der Schule für psychische Gesundheit, insbesondere auch für das Thema Abhängigkeit bzw. Suchtprävention interessiert. Nach der Absolvierung des Psychotherapeutischen Propädeutikums (einer Art Grundausbildung für Psychotherapeut*innen) machte ich nebenberuflich ein Masterstudium im Bereich „Sozialtherapie – Schwerpunkt Sucht“, wodurch ich – nicht zuletzt aufgrund meines Hauptberufes – zur Erkenntnis kam, dass ich mein Wissen in diesem Bereich am ehesten in der Suchtprävention realisieren könnte. Also ergriff ich die Gelegenheit, den von der Fachstelle angebotenen Lehrgang „Projektorganisation und Projektdurchführung in der Suchtvorbeugung“ und damit die Ausbildung zu meiner heutigen Tätigkeit als Referentin zu machen.
Warum es gerade das Thema Sucht bzw. Suchtprävention ist, das jemanden fasziniert, ist ganz unterschiedlich. Aus heutiger Sicht würde ich für mich meinen, dass ich einerseits mit Menschen mit Neigung zu Abhängigkeitsverhalten im familiären bzw. beruflichen Umfeld konfrontiert war, andererseits – als ehemalige jugendliche Raucherin – auch selbst erlebt habe, wie schnell und intensiv man eine körperliche (und psychische) Abhängigkeit entwickeln, aber auch wie man sie überwinden kann.
Viele Jahre habe ich neben meinem Beruf als Pädagogin auch die Tätigkeit als Referentin der Fachstelle ausgeübt, wobei ich wechselseitig davon profitieren konnte: Einerseits waren mir die Arbeit mit Gruppen und das schulische Umfeld sehr vertraut, andererseits flossen sehr wichtige Erkenntnisse und Methoden der Suchtprävention in meine Unterrichtstätigkeit ein, vor allem das Konzept der Lebenskompetenzen, aber auch das Wissen über psychische Erkrankungen bzw. Belastungen oder über Möglichkeiten, den Selbstwert und eigene Ressourcen zu stärken.
Was mir besonders bei der Arbeit als Referentin entgegenkommt, ist die große Flexibilität, mit der ich diese Arbeit durchführen kann: Wenn ich knappere zeitliche Ressourcen habe, dann bewerbe ich mich für weniger Projekte und umgekehrt. Inhaltlich habe ich mich vor allem auf drei Bereiche spezialisiert, nämlich Mediennutzung, Essstörungen und die Substanz Alkohol. Auch bezüglich der Zielgruppen habe ich Schwerpunkte gesetzt, derzeit mache ich überwiegend Elternvorträge und Fortbildungen für Lehrkräfte, ein für mich eher neues, aber sehr spannendes Feld stellt derzeit die betriebliche Suchtprävention dar. Ich schätze auch die Methodenvielfalt und die gut aufbereiteten Materialien, die ich verwenden kann.
Was waren meine schönsten Erlebnisse?
Schöne Erlebnisse gab es viele in meiner Arbeit mit unzähligen Gruppen von Schüler*innen, mit Lehrkräften, Eltern oder bei verschiedensten Veranstaltungen. Was ich generell betonen möchte, ist das gute Betriebsklima, die tolle Kooperation der Referent*innen untereinander und der wertschätzende Umgang miteinander in der Fachstelle, einige meiner Kolleg*innen sind mittlerweile auch gute Freund*innen geworden.
An ein Erlebnis erinnere ich mich sehr gerne: Eine sehr zurückhaltende Schülerin gab am Ende eines Workshops die Rückmeldung bezüglich einer Übung, die wir gemacht hatten, wie gut es ihr getan habe, über sich selbst positiv zu sprechen, anderen von ihren Fähigkeiten zu erzählen und dafür auch Anerkennung zu bekommen. Es sei das erste Mal gewesen, dass sie wirklich gespürt habe, wertvoll und besonders zu sein.
Was ich generell in der Arbeit mit Jugendlichen schätze, ist ihre Offenheit. Bei Vorträgen und Fortbildungen für Eltern oder Lehrkräfte ist es schön, wenn man sie einerseits informieren, andererseits aber auch ermutigen kann, dass es immer Möglichkeiten gibt, mit schwierigen Situationen gut umzugehen, ohne sich zu überfordern und wenn nötig auch Hilfe und Unterstützung zu holen.
Was würde ich einem*einer neuen Kolleg*in für die Tätigkeit als Referent*in mitgeben?
Ich denke, dass es hilfreich ist, mit sehr viel Offenheit und Flexibilität an die Tätigkeit als Referent*in heranzugehen, gerade in der Arbeit mit Gruppen passiert immer wieder Überraschendes und Unvorhergesehenes. Auch der Wunsch etwas Neues und neue Situationen auszuprobieren ist meines Erachtens in unserer Tätigkeit wichtig und bereichernd. Ich denke hier für mich persönlich an das erste Pandemiejahr, als im April 2020 das Angebot kam, einen ersten Online-Vortrag zu halten. Ich hatte eher aus einem abenteuerlichen Impuls heraus zugesagt, es war dann alles beim ersten Mal auch sehr aufregend für mich. Aber es hat mir gezeigt, dass auch dieses Setting durchaus seine Vorteile hat, wenn man beispielsweise abends nicht weite Strecken für einen Vortrag fahren muss.
Um sich nicht zu überfordern, ist es wichtig zu überlegen und festzulegen, welche Themengebiete, welche Formate und welche Zielgruppen für mich geeignet sind und mir liegen. Ich persönlich habe zum Beispiel nur sehr wenige Projekte in der außerschulischen Jugendarbeit gemacht, dazu fehlte mir die Ausbildung und wahrscheinlich auch der Bezug.
Die Fortbildungsangebote und Veranstaltungen der Fachstelle und auch andere Weiterbildungen zu nutzen, erachte ich für eine wichtige Maßnahme, um aktuelle Informationen und Entwicklungen zu verfolgen. Diese Treffen bieten darüber hinaus sehr wertvolle Gelegenheiten, sich mit Kolleg*innen auszutauschen.
Nicht zuletzt jedoch ist eine wichtige Fähigkeit, die man als Referent*in haben oder entwickeln sollte, jene der (Selbst-)Reflexion und der richtigen Einschätzung dessen, was man leisten kann. Vieles können wir in unserer Arbeit zwar steuern, aber eben nicht alles; und nicht alles, was nicht so gut gelingt, muss an einem selbst liegen. Widerstand und Schwierigkeiten können gerade bei heiklen Themen jederzeit auftauchen. Mit ihnen angemessen und kompetent umzugehen, ist sehr wichtig und stellt nicht zuletzt einen wesentlichen Faktor der Suchtprävention selbst dar.

AUTORIN
Details zum Lehrgang wie Kosten, Termine, etc. finden Sie im Lehrgangsfolder.
Falls Sie es in Ihrer Einrichtung aushängen wollen, wäre hierfür der Lehrgangsflyer besser geeignet.




