Hände zum Teamgruß unter freiem Himmel bei Sonne © Tom Bayer - stock.adobe.com

Mit ihren rund 80 qua­li­fi­zier­ten Referent*innen stellt die Fach­stel­le für Prä­ven­ti­on Nie­der­ös­ter­reich eine zen­tra­le Insti­tu­ti­on für Sucht­prävention, Sexu­al­päd­ago­gik und seit die­sem Jahr auch für Gewalt­prä­ven­ti­on in Nie­der­ös­ter­reich dar. 

Wie sieht die­se Arbeit für Referent*innen kon­kret aus?

Im Wesent­li­chen sind die Referent*innen jene Fach­kräf­te, die an Insti­tu­tio­nen oder Fir­men, wel­che ein Ange­bot der Fach­stel­le in Anspruch neh­men, die gebuch­ten Pro­jek­te rea­li­sie­ren bzw. umset­zen. Dies erfolgt für ver­schie­de­ne Ziel­grup­pen wie Schu­len, Gemein­den oder Betrie­be ganz kon­kret durch Vor­trä­ge, Work­shops oder Fortbildungen.

Wen­det sich eine Insti­tu­ti­on oder ein Betrieb an die Fach­stel­le für Prä­ven­ti­on Nie­der­ös­ter­reich, um ein Pro­jekt zu buchen, so wird die­ses für jene Referent*innen aus­ge­schrie­ben, die inhalt­lich dafür zustän­dig sind. Sie kön­nen sich dann je nach ihren zeit­li­chen Res­sour­cen bzw. nach der Distanz zum jewei­li­gen Ver­an­stal­tungs­ort dafür bewer­ben und wer­den von der Fach­stel­le für Prä­ven­ti­on Nie­der­ös­ter­reich dafür beauf­tragt. Sind an einem Pro­jekt, das bei­spiels­wei­se von einer Schu­le gebucht wird, meh­re­re Referent*innen betei­ligt, so über­nimmt eine/einer von ihnen die Haupt­ver­ant­wor­tung, was so viel bedeu­tet wie, dass sie/er per­sön­lich Kon­takt mit der Insti­tu­ti­on auf­nimmt, die Rah­men­be­din­gun­gen (Start­zeit, Gege­ben­hei­ten vor Ort, tech­ni­sche Infra­struk­tur o.ä.) abklärt und die­se Infor­ma­tio­nen dann an die ande­ren betei­lig­ten Kolleg*innen weitergibt.

Die Vor­be­rei­tung auf die Durch­füh­rung des Pro­jekts, kon­kret auf einen Vor­trag, auf einen Work­shop oder eine Fort­bil­dung, erfolgt mit den von der Fach­stel­le erstell­ten Mate­ria­li­en wie bei­spiels­wei­se Prä­sen­ta­tio­nen oder Fol­dern. Auch der Ablauf und die Inhal­te des Pro­jekts sind bereits fest­ge­legt, sie wur­den meist in Koope­ra­ti­on mit Referent*innen ent­wi­ckelt. Dies bie­tet nicht nur für die Referent*innen den Vor­teil, auf fer­ti­ge Arbeits­ma­te­ria­li­en zurück­grei­fen zu kön­nen, son­dern ist auch die Basis für die von der Fach­stel­le für Prä­ven­ti­on Nie­der­ös­ter­reich erfor­der­li­chen Maß­stä­be der Qualitätssicherung.

Work­shops für Kin­der und Jugend­li­che wer­den stets im Team-Tea­ching abge­hal­ten, was bedeu­tet, dass eine Grup­pe von zwei Referent*innen betreut wird. Dies bie­tet den Vor­teil, dass in den Grup­pen effi­zi­ent gear­bei­tet wer­den kann, und stellt außer­dem eine qua­li­täts­si­chern­de Maß­nah­me in der Referent*innen-Tätigkeit dar. Nach der Durch­füh­rung ist von den Referent*innen die Doku­men­ta­ti­on über den Ablauf und etwa­ige Beson­der­hei­ten des Pro­jekts und die Hono­rar­no­te für die Fach­stel­le zu erstel­len. Bei­des funk­tio­niert rela­tiv ein­fach über ein Online-Tool.

Seit der COVID-19-Pan­de­mie wer­den eini­ge Pro­jek­te, vor allem Vor­trä­ge, aber auch ver­ein­zelt Fort­bil­dun­gen, online ange­bo­ten, was sich für man­che Ziel­grup­pen wie zum Bei­spiel Eltern als gute Alter­na­ti­ve her­aus­ge­stellt hat.

War­um bin ich Refe­ren­tin geworden?

Ich habe sehr vie­le Jah­re den Beruf als Päd­ago­gin an einer berufs­bil­den­den höhe­ren Schu­le aus­ge­übt und mich seit Beginn mei­ner Tätig­keit in der Schu­le für psy­chi­sche Gesund­heit, ins­be­son­de­re auch für das The­ma Abhän­gig­keit bzw. Sucht­prävention inter­es­siert.  Nach der Absol­vie­rung des Psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Pro­pä­deu­ti­kums (einer Art Grund­aus­bil­dung für Psychotherapeut*innen) mach­te ich neben­be­ruf­lich ein Mas­ter­stu­di­um im Bereich „Sozi­al­the­ra­pie – Schwer­punkt Sucht“, wodurch ich – nicht zuletzt auf­grund mei­nes Haupt­be­ru­fes – zur Erkennt­nis kam, dass ich mein Wis­sen in die­sem Bereich am ehes­ten in der Sucht­prävention rea­li­sie­ren könn­te. Also ergriff ich die Gele­gen­heit, den von der Fach­stel­le ange­bo­te­nen Lehr­gang „Pro­jekt­orga­ni­sa­ti­on und Pro­jekt­durch­füh­rung in der Sucht­vor­beu­gung“  und damit die Aus­bil­dung zu mei­ner heu­ti­gen Tätig­keit als Refe­ren­tin zu machen.

War­um es gera­de das The­ma Sucht bzw. Sucht­prävention ist, das jeman­den fas­zi­niert, ist ganz unter­schied­lich. Aus heu­ti­ger Sicht wür­de ich für mich mei­nen, dass ich einer­seits mit Men­schen mit Nei­gung zu Abhän­gig­keits­ver­hal­ten im fami­liä­ren bzw. beruf­li­chen Umfeld kon­fron­tiert war, ande­rer­seits – als ehe­ma­li­ge jugend­li­che Rau­che­rin – auch selbst erlebt habe, wie schnell und inten­siv man eine kör­per­li­che (und psy­chi­sche) Abhän­gig­keit ent­wi­ckeln, aber auch wie man sie über­win­den kann.

Vie­le Jah­re habe ich neben mei­nem Beruf als Päd­ago­gin auch die Tätig­keit als Refe­ren­tin der Fach­stel­le aus­ge­übt, wobei ich wech­sel­sei­tig davon pro­fi­tie­ren konn­te: Einer­seits waren mir die Arbeit mit Grup­pen und das schu­li­sche Umfeld sehr ver­traut, ande­rer­seits flos­sen sehr wich­ti­ge Erkennt­nis­se und Metho­den der Sucht­prävention in mei­ne Unter­richts­tä­tig­keit ein,  vor allem das Kon­zept der Lebens­kom­pe­ten­zen, aber auch das Wis­sen über psy­chi­sche Erkran­kun­gen bzw. Belas­tun­gen oder über Mög­lich­kei­ten, den Selbst­wert und eige­ne Res­sour­cen zu stärken.

Was mir beson­ders bei der Arbeit als Refe­ren­tin ent­ge­gen­kommt, ist die gro­ße Fle­xi­bi­li­tät, mit der ich die­se Arbeit durch­füh­ren kann: Wenn ich knap­pe­re zeit­li­che Res­sour­cen habe, dann bewer­be ich mich für weni­ger Pro­jek­te und umge­kehrt. Inhalt­lich habe ich mich vor allem auf drei Berei­che spe­zia­li­siert, näm­lich Medi­en­nut­zung, Ess­stö­run­gen und die Sub­stanz Alko­hol. Auch bezüg­lich der Ziel­grup­pen habe ich Schwer­punk­te gesetzt, der­zeit mache ich über­wie­gend Eltern­vor­trä­ge und Fort­bil­dun­gen für Lehr­kräf­te, ein für mich eher neu­es, aber sehr span­nen­des Feld stellt der­zeit die betrieb­li­che Sucht­prävention dar. Ich schät­ze auch die Metho­den­viel­falt und die gut auf­be­rei­te­ten Mate­ria­li­en, die ich ver­wen­den kann.

Was waren mei­ne schöns­ten Erlebnisse?

Schö­ne Erleb­nis­se gab es vie­le in mei­ner Arbeit mit unzäh­li­gen Grup­pen von Schüler*innen, mit Lehr­kräf­ten, Eltern oder bei ver­schie­dens­ten Ver­an­stal­tun­gen. Was ich gene­rell beto­nen möch­te, ist das gute Betriebs­kli­ma, die tol­le Koope­ra­ti­on der Referent*innen unter­ein­an­der und der wert­schät­zen­de Umgang mit­ein­an­der in der Fach­stel­le, eini­ge mei­ner Kolleg*innen sind mitt­ler­wei­le auch gute Freund*innen geworden.

An ein Erleb­nis erin­ne­re ich mich sehr ger­ne: Eine sehr zurück­hal­ten­de Schü­le­rin gab am Ende eines Work­shops die Rück­mel­dung bezüg­lich einer Übung, die wir gemacht hat­ten, wie gut es ihr getan habe, über sich selbst posi­tiv zu spre­chen, ande­ren von ihren Fähig­kei­ten zu erzäh­len und dafür auch Aner­ken­nung zu bekom­men. Es sei das ers­te Mal gewe­sen, dass sie wirk­lich gespürt habe, wert­voll und beson­ders zu sein.

Was ich gene­rell in der Arbeit mit Jugend­li­chen schät­ze, ist ihre Offen­heit. Bei Vor­trä­gen und Fort­bil­dun­gen für Eltern oder Lehr­kräf­te ist es schön, wenn man sie einer­seits infor­mie­ren, ande­rer­seits aber auch ermu­ti­gen kann, dass es immer Mög­lich­kei­ten gibt, mit schwie­ri­gen Situa­tio­nen gut umzu­ge­hen, ohne sich zu über­for­dern und wenn nötig auch Hil­fe und Unter­stüt­zung zu holen.

Was wür­de ich einem*einer neu­en Kolleg*in für die Tätig­keit als Referent*in mitgeben?

Ich den­ke, dass es hilf­reich ist, mit sehr viel Offen­heit und Fle­xi­bi­li­tät an die Tätig­keit als Referent*in her­an­zu­ge­hen, gera­de in der Arbeit mit Grup­pen pas­siert immer wie­der Über­ra­schen­des und Unvor­her­ge­se­he­nes. Auch der Wunsch etwas Neu­es und neue Situa­tio­nen aus­zu­pro­bie­ren ist mei­nes Erach­tens in unse­rer Tätig­keit wich­tig und berei­chernd. Ich den­ke hier für mich per­sön­lich an das ers­te Pan­de­mie­jahr, als im April 2020 das Ange­bot kam, einen ers­ten Online-Vor­trag zu hal­ten. Ich hat­te eher aus einem aben­teu­er­li­chen Impuls her­aus zuge­sagt, es war dann alles beim ers­ten Mal auch sehr auf­re­gend für mich. Aber es hat mir gezeigt, dass auch die­ses Set­ting durch­aus sei­ne Vor­tei­le hat, wenn man bei­spiels­wei­se abends nicht wei­te Stre­cken für einen Vor­trag fah­ren muss.

Um sich nicht zu über­for­dern, ist es wich­tig zu über­le­gen und fest­zu­le­gen, wel­che The­men­ge­bie­te, wel­che For­ma­te und wel­che Ziel­grup­pen für mich geeig­net sind und mir lie­gen. Ich per­sön­lich habe zum Bei­spiel nur sehr weni­ge Pro­jek­te in der außer­schu­li­schen Jugend­ar­beit gemacht, dazu fehl­te mir die Aus­bil­dung und wahr­schein­lich auch der Bezug.

Die Fort­bil­dungs­an­ge­bo­te und Ver­an­stal­tun­gen der Fach­stel­le und auch ande­re Wei­ter­bil­dun­gen zu nut­zen, erach­te ich für eine wich­ti­ge Maß­nah­me, um aktu­el­le Infor­ma­tio­nen und Ent­wick­lun­gen zu ver­fol­gen. Die­se Tref­fen bie­ten dar­über hin­aus sehr wert­vol­le Gele­gen­hei­ten, sich mit Kolleg*innen auszutauschen.

Nicht zuletzt jedoch ist eine wich­ti­ge Fähig­keit, die man als Referent*in haben oder ent­wi­ckeln soll­te, jene der (Selbst-)Reflexion und der rich­ti­gen Ein­schät­zung des­sen, was man leis­ten kann. Vie­les kön­nen wir in unse­rer Arbeit zwar steu­ern, aber eben nicht alles; und nicht alles, was nicht so gut gelingt, muss an einem selbst lie­gen. Wider­stand und Schwie­rig­kei­ten kön­nen gera­de bei heik­len The­men jeder­zeit auf­tau­chen. Mit ihnen ange­mes­sen und kom­pe­tent umzu­ge­hen, ist sehr wich­tig und stellt nicht zuletzt einen wesent­li­chen Fak­tor der Sucht­prävention selbst dar.


AUTORIN
Dr. Mar­ti­na Kainz, MSc (über­ar­bei­tet)

Details zum Lehr­gang wie Kos­ten, Ter­mi­ne, etc. fin­den Sie im Lehr­gangs­fol­der.

Falls Sie es in Ihrer Ein­rich­tung aus­hän­gen wol­len, wäre hier­für der Lehr­gangs­fly­er bes­ser geeignet.